gegen Wildpinkler: "St. Pauli kann sich verteidigen" Ein Interview von Anna-Lena Roth

05.02.2016 09:08

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Ein Interview von Anna-Lena Roth DPA

Interessenvertreterin Staron auf der  Reeperbahn: "Wir pinkeln zurück"

St.Pauli am Abend: Tausende feiern, tanzen, trinken. St. Pauli am Morgen danach:
Scherben und Alkoholleichen auf der Straße, übler Gestank. Nun setzen sich die Anwohner zur Wehr.

Es sind Horden, die am Samstagabend über die Reeperbahn in St. Pauli ziehen. Die S-Bahn bringt sie hin, die S-Bahn bringt sie weg. Was bleibt, sind die Anwohner. Sind Müll und Gestank.

"Wenn Sie hier auf die Straße gehen, haben Sie das Gefühl, in einer Kloake zu stehen", sagt Julia Staron, 44,
von der Interessengemeinschaft St. Pauli. Sie will aufmerksam machen auf einProblem, über das sich die Anwohner ärgern: Wildpinkler.

In Zusammenarbeit mit einer Hamburger Werbeagentur hat die Interessengemeinschaft nach eigenen
Angaben zwei Hausfassaden mit einem wasserabweisenden Lack gestrichen. Wer gegen eine solche Wand pinkelt, bekommt den Abperleffekt zu spüren - und macht sich selbst Hose und Schuhe nass.

Zwei Wände reichen nicht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sie wissen das. Aber die Aufmerksamkeit ist jetzt da, das Problem wird öffentlich diskutiert. Das liegt auch an einem Video zu der Aktion ("St. Pauli pinkelt zurück"), das am Montag veröffentlicht und bisher rund 250.000-mal geklickt wurde:

Am Dienstagnachmittag steht Staron im strömenden Regen vor einem Hauseingang an der Reeperbahn und zeigt einemTV-Team eine der Stellen, die mit dem Lack behandelt wurde.

Für die Kameras hat sie einen Minikanister mit dem Mittel dabei und einen Anwohner, quasi als Kronzeugen.



SPIEGEL ONLINE: Frau Staron, Ihr Projekt heißt "St.Pauli pinkelt zurück".

Aber funktioniert das - ein Lack mit so starkem Abperleffekt?

Staron:

Und wie. Die Flüssigkeit prallt beinahe mit derselben Energie ab, mit der sie auftrifft. Der superhydrophobe Lack kommt aus dem Schiffsbau. Wenn Sie eine Serviette damit behandeln, wird Ketchup oder ein Kaugummi daran abperlen. Ein faszinierendes Ding.

 

SPIEGEL ONLINE: Das ist vermutlich nicht gerade günstig.

Staron:

Für sechs Quadratmeter müssen Sie mit 500 Euro rechnen. Wir verhandeln noch mit dem Hersteller über einen
St.-Pauli-Mengenrabatt. Heute Nacht habe ich aber schon die ersten Anfragen von Hausbesitzern und Gewerbetreibenden bekommen. Und spätestens beim Schlagermove werden alle mitmachen, dann haben wir hier 400.000 Menschen im Stadtteil, die jede Hemmung verlieren.

 

SPIEGEL ONLINE: Welche Wände sind bereits mit dem Lack gestrichen?

Staron:

Bisher nur zwei an den Reeperbahn-Garagen und in der Simon-von-Utrecht-Straße. Aber wir werden uns noch die besonders eklatanten Stellen vornehmen, die Ecke bei Lidl und der Durchgang zur Bar 'Ritze'.

Da stinkt es Tag und Nacht wie Hulle.

 

SPIEGEL ONLINE: Werden Wildpinkler künftig nicht einfach auf die nächste Ecke ausweichen?

Staron:

Das kann man nicht verhindern. Aber trotzdem ist das Problem nicht bloß verschoben. Denn es findet Kommunikation statt, der Stadtteil St. Pauli redet mit seinen Gästen. Darum geht es.

 

SPIEGEL ONLINE: Und wie lautet die Botschaft des Stadtteils?

 

Staron:

St. Pauli ist direkt. St. Pauli kann sich verteidigen.

 

SPIEGEL ONLINE: Klingt nicht gerade gastfreundlich.

  • Staron: Es geht uns nicht darum, Touristen wegzuschicken, wir sind gerne Gastgeber. Also kann die Lösung nur lauten, den Besuchern unsere Regeln zu erklären:
    Fotografiert Prostituierte nicht bei der Arbeit!
  • Kotzt nicht in Briefkästen!
  • Und eben auch: Pinkelt nicht an Wände! Die Lack-Aktion ist nur der Anfang.
  •  
  •  

SPIEGEL ONLINE: Wie soll es weitergehen?

Staron:

In etwa vier Wochen soll die "Pinkel-Karte" zum Einsatz kommen. Wer die Toiletten in einer Bar oder einem Restaurant aufsucht, bekommt einen Stempel in seine Karte. Und beim Sechsten gibt's einen Schnaps aufs Haus.


gegen
Wildpinkler:
"St. Pauli kann sich
verteidigen"

Ein Interview von Anna-Lena Roth




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 




 


DPA

Interessenvertreterin Staron auf der
Reeperbahn: "Wir pinkeln zurück"

St.
Pauli am Abend: Tausende feiern, tanzen, trinken. St. Pauli am Morgen danach:
Scherben und Alkoholleichen auf der Straße, übler Gestank. Nun setzen sich die
Anwohner zur Wehr.

Es sind Horden, die am Samstagabend über die Reeperbahn in St. Pauli
ziehen. Die S-Bahn bringt sie hin, die S-Bahn bringt sie weg. Was bleibt, sind
die Anwohner. Sind Müll und Gestank.

"Wenn Sie hier auf die Straße gehen,
haben Sie das Gefühl, in einer Kloake zu stehen", sagt Julia Staron, 44,
von der Interessengemeinschaft St. Pauli. Sie will aufmerksam machen auf ein
Problem, über das sich die Anwohner ärgern: Wildpinkler.

In Zusammenarbeit mit
einer Hamburger Werbeagentur hat die Interessengemeinschaft nach eigenen
Angaben zwei Hausfassaden mit einem wasserabweisenden Lack gestrichen. Wer
gegen eine solche Wand pinkelt, bekommt den Abperleffekt zu spüren - und macht
sich selbst Hose und Schuhe nass.

Zwei Wände reichen
nicht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sie wissen das. Aber die
Aufmerksamkeit ist jetzt da, das Problem wird öffentlich diskutiert. Das liegt
auch an einem Video zu der Aktion ("St. Pauli pinkelt zurück"), das
am Montag veröffentlicht und bisher rund 53.000-mal geklickt wurde:



 


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Am Dienstagnachmittag steht Staron im
strömenden Regen vor einem Hauseingang an der Reeperbahn und zeigt einem
TV-Team eine der Stellen, die mit dem Lack behandelt wurde.

Für die Kameras hat sie
einen Minikanister mit dem Mittel dabei und einen Anwohner, quasi als
Kronzeugen.



SPIEGEL
ONLINE:
Frau Staron, Ihr Projekt heißt "St.
Pauli pinkelt zurück". Aber funktioniert das - ein Lack mit so starkem
Abperleffekt?

Staron: Und wie. Die Flüssigkeit prallt beinahe mit derselben
Energie ab, mit der sie auftrifft. Der superhydrophobe Lack kommt aus dem
Schiffsbau. Wenn Sie eine Serviette damit behandeln, wird Ketchup oder ein
Kaugummi daran abperlen. Ein faszinierendes Ding.

SPIEGEL ONLINE: Das ist vermutlich nicht gerade günstig.

Staron: Für sechs Quadratmeter müssen Sie mit 500 Euro
rechnen. Wir verhandeln noch mit dem Hersteller über einen
St.-Pauli-Mengenrabatt. Heute Nacht habe ich aber schon die ersten Anfragen von
Hausbesitzern und Gewerbetreibenden bekommen. Und spätestens beim Schlagermove
werden alle mitmachen, dann haben wir hier 400.000 Menschen im Stadtteil, die
jede Hemmung verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Welche Wände sind bereits mit dem Lack gestrichen?

Staron: Bisher nur zwei an den Reeperbahn-Garagen und in der
Simon-von-Utrecht-Straße. Aber wir werden uns noch die besonders eklatanten
Stellen vornehmen, die Ecke bei Lidl und der Durchgang zur Bar 'Ritze'. Da
stinkt es Tag und Nacht wie Hulle.

SPIEGEL ONLINE: Werden Wildpinkler künftig nicht einfach auf die
nächste Ecke ausweichen?

Staron: Das kann man nicht verhindern. Aber trotzdem ist das
Problem nicht bloß verschoben. Denn es findet Kommunikation statt, der
Stadtteil St. Pauli redet mit seinen Gästen. Darum geht es.

SPIEGEL ONLINE: Und wie lautet die Botschaft des Stadtteils?

Staron: St. Pauli ist direkt. St. Pauli kann sich
verteidigen.

SPIEGEL ONLINE: Klingt nicht gerade gastfreundlich.

Staron: Es
geht uns nicht darum, Touristen wegzuschicken, wir sind gerne Gastgeber. Also
kann die Lösung nur lauten, den Besuchern unsere Regeln zu erklären:
Fotografiert Prostituierte nicht bei der Arbeit! Kotzt nicht in Briefkästen!
Und eben auch: Pinkelt nicht an Wände! Die Lack-Aktion ist nur der Anfang.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll es weitergehen?

Staron: In etwa vier Wochen soll die "Pinkel-Karte"
zum Einsatz kommen. Wer die Toiletten in einer Bar oder einem Restaurant
aufsucht, bekommt einen Stempel in seine Karte. Und beim Sechsten gibt's einen
Schnaps aufs Haus.